Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser,


Liebe Leserinnen und Leser,

unser Titelbild ist ein Bild des französischen Malers Paul Gaugin: Der gelbe Christus. Es ist eine eigenwillige Passionsdarstellung, Christus am Kreuz, umgeben von reifen Feldern und von Bäuerinnen, die sich auf die Ernte vorbereiten.

"Der gelbe Christus". Gemälde von Paul Gaugin (1889)
in: Weber, Hans-Ruedi: Kruzifixus. Biblische Meditationen
unter dem Kreuz. 2. Aufl., Berlin, 1982, S. 51.
Ein Bild voller Ruhe und Frieden, voller Fruchtbarkeit und Lebenskraft. Selbst der Leib des Gekreuzigten trägt die Farbe der reifen Felder. - Ist das nicht widersinnig? Zahlreiche Kreuzigungsbilder führen uns demgegenüber doch das unvorstellbare Leiden Jesu vor Augen, das er stellvertretend für uns auf sich nahm. Das Kreuz, seit nahezu 2000 Jahren das Symbol des Leidens und des Todes schlechthin - hier geht es auf in einem Bild von Reife, Fruchtbarkeit und Leben.

In Palästina, zur Zeit Jesu, glänzten zum Passahfest, dem die Kreuzigung Jesu unmittelbar vorausgegangen war, die Felder gelb und reif zur Ernte. So fing denn auch in Palästina zu Ostern die Ernte an. Nachdem der Bauer im Winter gesät hatte, schliff er im Frühjahr die Sichel, um die Gerste abzuschneiden. Er bündelt das geerntete Getreide zu Garben. In den Wochen um Passah herrschte in Palästina die Hektik der Ernte.

Auf den ersten Blick erscheint es geradezu unangemessen, den Höhepunkt des Leidens Jesu mit einem Erntefest in Verbindung zu bringen, wie Gaugin es hier tut. Doch erinnern wir uns: Am Vorabend der Kreuzigung feierte Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl. Als er das Dankgebet gesprochen und das Brot gebrochen hatte, reichte er es seinen Jüngern weiter mit dem Deutewort: "Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis!" (Luk. 22, 19). Und im Johannesevangelium hören wir die Worte Jesu: "Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten." (Joh. 6,35). - Jesus selbst will für uns die Nahrung sein, die unseren Hunger nach Leben stillt. Und wenn "Brot" ein Synonym dieser Nahrung darstellt, dann wird es aus Mehl gebacken, dessen Ursprung die reifen Feldfrüchte waren.

Auch wenn uns Gaugins Bild an die Ernte während der Zeit von Kreuz und Auferstehung erinnert und weiterführend an das Brot des Lebens, das Jesus für uns sein will, so verbindet sich damit aber noch ein weiterer Aspekt: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des Herrn geht." (5. Mose 8,3). - Gott will mit seiner Gegenwart unser ganzes Leben ausfüllen, will es mit seinem Wort führen und leiten. Und im Abendmahl dürfen wir seiner Gegenwart immer wieder gewiss werden. Darum kommt Jesus Christus zu uns in Brot und Wein.

Paul Gaugin hat seinen Christus am Kreuz in demselben Gelb der reifen Felder gemalt. Mit ausgebreiteten Armen schwebt er segnend über den Menschen und ihrer Ernte und will so am Ende selbst für uns zum Brot des Lebens werden.

Im Namen aller Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen, Kirchvorsteherinnen und Kirchvorsteher in unserem Schwesterkirchverhältnis wünsche ich Ihnen eine besonnene Passionszeit und eine frohe Osterzeit.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Stefan Zieglschmid








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