Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser,


"Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob"
Der Apostel Paulus richtet sich mit dieser Aufforderung zuerst an die Menschen in Rom, an eine bunte Mischung von Christinnen und Christen, an eine Minderheit in der damaligen Welthauptstadt mit unterschiedlichen religiösen Wurzeln, jüdischer oder heidnischer Herkunft. Sie machen sich gegenseitig das Leben schwer. Das Miteinander in der Gemeinde will nicht gelingen.

Bild: gemeindebrief.de
Gemeinsam ist ihnen der Glaube an Jesus Christus. Dieser Glaube verbindet sie, aber das führt nicht automatisch dazu, dass sich alle untereinander gut verstehen und aufeinander Rücksicht neh- men. In den Köpfen und Herzen entsteht eine Aufteilung in Starke und Schwache, in Bessere und Schlechtere im Glauben. Das kennen wir auch. "Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob". So versucht Paulus, die zerstrittenen Gemeindegruppen in eine neue Haltung zu bringen, die sich an Christus orientiert:

"Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus ent- spricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt...." (Philipper 2)

Gott geht mitten hinein in unser Menschsein, in unser Leben, wird einer von uns, Gott in unserer Haut, in Christus zeigt sich Gott als einer von unserem Fleisch und Blut. Er, ein Mensch wie wir, ist das sichtbare Bild des unsichtbaren Gottes und zugleich das Urbild des Menschen. In ihm erkennen Christen: Jeder Mensch ist Gottes Ebenbild und als solches geschaffen. Allem voraus geht eine Annahme, die jeder von uns zunächst erst einmal selbst erfährt. So wird möglich: Nicht das Pochen auf Prinzipien und Überheblichkeit fördert das Wohl und den Zusammenhalt, sondern Unvoreingenommenheit und Geduld. Wer so lebt, lobt Gott, nicht allein mit Worten, sondern mit Taten: "Jeder von uns lebe so, dass er seinem Nächsten gefalle zum Guten und zur Erbauung!". (Römer 15,2)

Bild: Domme
Die Aufforderung der Jahreslosung macht nicht halt an den Grenzen der Gemeinden. Kirche ist unter diesem Wort auch aufgefordert, auf diese Weise das gesellschaftliche Miteinander in unserem Land zu prägen und so einer Kultur der Angst, Abgrenzung und Abschottung entgegen zu wirken.

Die amerikanische Theologin Letty Russell (1929-2007) entwickelte ausgehend von Römer 15,7 eine "Theologie der Gastfreundschaft": Christus als Gottes Willkommen. Gastfreundschaft wird zur Partnerschaft in Solidarität mit den anderen. "Unterschiede und Gastfreundschaft sind miteinander verwoben, weil gerade die Herausforderung durch Unterschiede, Fremdheiten und 'Anders-Sein' uns dazu aufruft, Gastfreundschaft zu praktizieren". "Welcome one another, therefore, just as Christ has welcomed you, for the Glory of God.", so ihre Übersetzung der Jahreslosung: "Den anderen in seiner Andersartigkeit begrüßen, wie Christus uns begrüßt hat zu Gottes Lob." Das ist eine der großen Herausforderungen unserer Tage in unserem Land, in unserer Stadt, in unseren Kirchgemeinden im Leipziger Norden, dass wir angstfrei, in froher Erwartung auf die Menschen zugehen können, die als Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern dieser Erde mit ihrer Kultur, Sprache, Religion zu uns kommen.

Ein Gotteslob, das unser 2015 zu einem besonderen Jahr machen kann.



Ihr Pfarrer Leistner





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