Gemeindeleben - Gemeinde leben?
Gemeindeleben - Gemeinde leben?
Von Matthias Rudolph
Unter diesem Motto stand eine Rüstzeit im sachsen-anhaltinischen Schönburg, zu der sich Kirchvorsteher und weitere in der Gemeinde engagierte Menschen vom 15. bis 17.04.05 trafen. In Gruppen und im Plenum haben wir verschiedene biblische Leitbilder für unsere Gemeinde diskutiert, so das Bild der Gemeinde auf dem Weg (Die Gemeinde, das wandernde Gottesvolk 2. Buch Mose 12, 13), die Gemeinde als Geborgenheit gebende Familie (Ap. 2, 46 u. 47), die Gemeinde als ein Leib mit vielen Gliedern (1. Kor. 12) und die Gemeinde als das Salz der Erde und das Licht der Welt (Mt. 5,13ff).
In lebhaften Diskussionen durften wir erleben, dass Gott unsere Rüstzeit unter seinen Segen des offenen Wortes, des Zuhörens und des Einander-verstehen-wollens gestellt hat. Die Gespräche haben uns gezeigt, wie wichtig dieser Segen Gottes für uns ist. Wir sind noch lange nicht fertig! Nicht mit dieser unserer Gemeinde, nicht mit dem Gespräch untereinander. Deshalb haben wir uns zu einer Fortsetzung der Rüstzeit im für diesen Zweck erweiterten Ausschuss für Gemeindeaufbau und bei einer zweiten Rüstzeit Jubilate 2006 (vom 05.05.06 bis 07.05.06) in Kohren-Sahlis entschlossen.
An diesem Wochenende ist so viel zur Sprache gekommen, dass eine komplette Wiedergabe aller Gespräche den Rahmen dieses Blattes sprengt. Doch soll der Versuch unternommen werden, das Wesentliche zusammenzufassen:
Geborgenheit gebende, familiäre Gemeinschaft: Sind wir das? Stiftet unsere Gemeinde Geborgenheit? Die Frage ist sowohl mit Ja, als auch mit Nein zu beantworten. Viele Gemeindeglieder fühlen sich besonders in ihren Gruppen und Kreisen geborgen, besuchen diese gern. Da wird Gemeinschaft gelebt, erlebt. Etwas anders sieht es vielleicht in dem zentralen Punkt unseres Gemeindelebens aus, dem Gottesdienst. Sind wir auch dort eine Familie, die zusammensitzt und nicht über das ganze Kirchenschiff, mit möglicht großen Abständen zwischen uns und unserem Sitznachbarn, verteilt? Die Fremde willkommen heißt und nicht allein auf ihrer Bank sitzen lässt? Fragen, die JedeR für sich selbst beantworten kann. Doch den Antworten sollten Taten folgen. Die Idee des Kirchenkaffees ist eine Antwort oder auch der Begrüßungsdienst vor dem Gottesdienst. Oder ein regelmäßiges gemeinsames Frühstück, ebenfalls vor dem Gottesdienst. Oder das Abendmahl, wenn es nach dem Gottesdienst angeboten wird, als Tischabendmahl zu feiern. Haben Sie weitere Ideen?
Offenheit, Transparenz: Gehen wir immer offen und ehrlich miteinander um? Ohne einander zu verletzen? Sprechen wir Probleme untereinander aus? Wie sieht ein offener und zugleich respektvoller Umgang miteinander aus? Oder ein ganz anderes Thema: Sind Entscheidungen, die der Kirchenvorstand und seine Ausschüsse fällen und die Hintergründe dieser Entscheidungen für alle, die es interessiert, transparent?
Viele dieser Fragen können mit Ja beantwortet werden. Dort wo wir beim Lesen ein Nein denken, sollte dies für uns Aufforderung sein mitzutun, um unsere Gemeinde zu einer offenen und transparenten Gemeinde zu machen.
Ein Leib - viele Glieder? Wirklich viele Glieder? Auf wie viele Glieder, wie viele Schultern verteilt sich Gemeindearbeit wirklich? Tragen diese noch? Können sie noch mehr tragen? Wie können wir es schaffen, mehr Gemeindeglieder zum Mittun am Gemeindebau zu finden? Vielleicht wissen viele von Ihnen noch nicht, welche Aufgaben anstehen? Aufgaben abgeben, sie weitergeben, Menschen finden und deren Gaben nutzen gemeinsam das Haus Gottes zu bauen, das ist ein wesentlicher Schritt auch zur Entlastung der Schultern, die heute tragen.
Doch auch die Stärkung der unsere Gemeinde tragenden Glieder durch ein "Dankeschön" ist wichtig. Dank, das meint nicht allein die Erwähnung bei Festakten, bei Feiern oder in diesem Gemeindeblatt, denn hier ist ohnehin nicht ausreichend Platz um alle zu erwähnen. Dank meint auch die vermeintlich kleinen Dienste und Selbstverständlichkeiten wahrzunehmen. Und denen danken, die dies geleistet haben.
Traum von Gemeinde
Wir träumen von unserer Gemeinde als einer Gemeinde in der Freude und Geborgenheit herrschen, in der Gemeinschaft und Nähe im auch Gottesdienst erlebbar sind, in der Aufgaben noch besser geteilt werden, in die sich JedeR entsprechend seiner Gaben einbringen möchte und Verlässlichkeit und die Einhaltung von Absprachen selbstverständlich sind, in der Außenstehende integriert werden. Wir träumen von unserer Gemeinde in der noch mehr Menschen Verantwortung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung übernehmen und so Vorbild in einer egoistischen und gedankenlosen Welt sein können.
Wir sind aufgebrochen. Wir sind auf dem Weg. Kommen Sie mit?
Matthias Rudolph
P.S. Lesen Sie [hier] den Beitrag zum Gespäch in der Gemeindeversammlung am Reformationstag 2005.
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