Abschiedsgrüße von Henrik Mroska


"...weil Leben wandern heißt."

Das Telefon klingelt. Es ist halb zehn. Alles ist wie immer. Nun gut, es ist Osterzeit. Und auch da kann das Telefon klingeln. Jeden Tag gibt es Anrufe. Das Telefon ist in der kirchlichen Arbeit ein treuer Kollege und der Anrufbeantworter ein verlässlicher Vertreter. Alles ist wie immer. Es ist halb zehn. Österliche Zeit. Ich nehme den Hörer ab. Guten Tag Herr Mroska. Hier ist Pfarrer P." Den Namen hatte ich noch nie gehört. Die Stimme war sympathisch und doch unbekannt. "Haben Sie Lust ein Jugendhaus zu übernehmen?"

Wie bitte? Ein Jugendhaus übernehmen? Ich? Ja, vielleicht ist es gut, mal etwas anderes zu tun. In anderes Fahrwasser kommen. Ich habe darüber schon mal nachgedacht. Doch ich bin gern hier. Ich bin in Gruppen zu Hause. Gehe gern in die Schule, um mit jungen Menschen über Gott und die Welt zu reden. Und dann die Kinder in der Kinderkirche. Geschichten erzählen, spielen, singen und einen Draht zu Gott finden, die Jungen Gemeinden, die vielen Fahrten und Rüstzeiten. Oft sind wir in der Sächsischen Schweiz gewesen, auf Spielfahrt in Freyburg an der Unstrut, diese bunte Gemeinschaft von Menschen, so viel Offenheit und Vertrauen ... und auch Auseinandersetzungen, klar, das gehört dazu. Ich bin in meiner Arbeit zu Hause ...

"Herr Mroska, hören Sie mich? Sind Sie noch dran?" Ja, ich höre. Da ist ein Pfarrer P. Und es geht um die Stelle eines Leiters für ein Jugendhaus. Neue Stelle. Das klingt wie von einem andern Stern, wenn man acht Jahre an einem Ort gearbeitet hat. Und Leitung. Das klingt nach großer Verantwortung. Das ist auch ein Kompliment. Evangelisches Jugendhaus mit großer Theater- und Musikarbeit, mit zwei Jungen Gemeinden und einer "Offenen Tür" - sozialdiakonische Kinder- und Jugendarbeit. Drei Mitarbeiter, ein Zivi, mehrere Honorarkräfte und Praktikanten und ich. Ich??? Mir wird schwindlig.

"Und haben Sie Lust?" fragt mich die Stimme aus dem Hörer. Ja, na ja Lust schon. Ich kann mir das Jugendhaus mal ansehen. Wo steht das Jugendhaus eigentlich? "In Bautzen" antwortet die sympathische unbekannte Stimme. Bautzen. Das war wie ein kleiner Schock. Bautzen. Jugendhaus o.k. Aber warum das nun ausgerechnet in Bautzen stehen muß. Das braucht Zeit zum Überlegen. Zeit, um eine gute Entscheidung treffen zu können.

Das Telefon schweigt, es ist nicht mehr halb zehn, es ist nicht mehr wie immer. Plötzlich heißt es: "Siehe, alles wird neu."

Die Osterzeit ist vorüber, die Pfingstfahrt mit der Jungen Gemeinde gelaufen, das Schuljahr beendet, die schöne Paddelrüstzeit für Kinder und Jugendliche vorbei ... und ich habe mich entschieden. Ab August lebe und arbeite ich in Bautzen.

Liebe Gemeinde, diese Entscheidung ist mir schwer gefallen. In Dir gibt es viele Menschen mit denen ich gern zusammen war, da war viel Licht, viel Lachen und für das Dunkle und Schwere gab es in Dir immer Freunde und Freundinnen, die mitgetragen haben. Das macht den Abschied von Dir so schwer. Und deswegen bin ich Dir, liebe Versöhnungsgemeinde, sehr dankbar. Da bleibt was von Dir bei mir und von mir in Dir.

Liebe Gemeinde, ich wünsche Dir weiterhin Menschen, die den Traum von Kirche mit Dir träumen und Stück für Stück in Dein Leben umsetzen. Ich wünsche Dir Menschen, die mit Dir feiern wie beim letzten Gemeindefest, die sich über das geschenkte Leben freuen und das Schwere und Dunkle gemeinsam tragen, wie ich es in Dir erfahren konnte.

Ich bitte Gott, dass er Dich und alle Deine Menschen segnen möge. Für mich selbst bitte ich, Daß Gott mich auf meinen Wegen begleitet.

Auf Wiedersehen!
Dein Henrik Mroska