Das Baugerüst im Kirchenschiff



Kirchenrestaurierung im Herbst 2008

von Prof. Dr. Dieter Michel
(Vorsitzender des Bauausschusses und des Fördervereins)

Es gibt eine gute Nachricht, die uns in den nächsten Monaten hilfreich begleiten möge:

Wir haben die große Chance, spätestens ab Oktober 2008 Restaurierungsarbeiten im Kirchenschiff durchführen zu können. Die bereits aufgestellten Baugerüste zeugen davon. Dass diese insgesamt sehr notwendigen Arbeiten erst relativ spät in diesem Jahr beginnen können, hängt mit deren finanziellen Sicherstellung zusammen: Die
Baugerüst in der Kirche
Baugerüst in der Kirche
Foto: Matthias Rudolph
Versöhnungskirchgemeinde darf zum Zeitpunkt der Vorbereitung dieses Beitrages alle Hoffnung haben, eine spezielle Förderung des Bundes und des Freistaates zu erhalten, die für Bauten von nationalem Rang bereitgestellt wird. Dieses Programm beginnt erst im Oktober 2008. Die Vorbereitung dieser Maßnahmen seitens des Bauausschusses und Pfarramts läuft allerdings bereits seit Mitte des Jahres 2007. Mit dieser angestrebten Förderung, deren Möglichkeit sich relativ kurzfristig im Juni 2008 eröffnet hat, wird auch die - in diesem Jahr wiederum sehr komplizierte - finanzielle Sicherung der Restaurierungsarbeiten verbessert werden können. So kann hoffentlich auch die hohe Belastung der Gemeinde, die vor allem vom Förderverein Versöhnungskirche e.V. getragen wird, etwas vermindert werden.

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle allen Spendern in der Gemeinde und im Förderverein, allen Solisten, Chören und Ensembles sowie allen Helfern im Rahmen von persönlichen Initiativen (wie dem Flohmarkt) für ihren Beitrag zu Sanierung und Restaurierung unserer Kirche. Trotz dieser guten Entwicklung ergeht an Sie alle, liebe Gemeindemitglieder und sehr verehrte Damen und Herren, erneut die herzliche Bitte um weitere Spenden und Zuwendungen für die Restaurierung der Kirche.


Worum geht es bei den jetzigen Restaurierungsarbeiten?

Wie Sie wissen, bemüht sich die Gemeinde seit etwa 1992 in sehr systematischer Arbeit um eine vollständige, dem Originalzustand entsprechende Sanierung und Restaurierung. Einzelne Etappen dazu werden in der beigefügten Tabelle in Erinnerung gebracht.

Bei der nun anstehenden Restaurierung im Kircheninneren soll die originale farbliche Gestaltung im Schiff aus den 30iger Jahren weitgehend wieder hergestellt werden. Dass das Baugerüst nun schon seit Anfang Juni 2008 steht, hängt damit direkt zusammen: Es war eine sorgfältige vorbereitende Erforschung des Schadenszustandes und der ursprünglichen Farbgebung erforderlich. Sie erfolgte durch Herrn Restaurator Wiesner in enger Kooperation mit dem kirchlichen Regionalbauamt Leipzig (Herr Dipl.-Ing. Kress), der Unteren Denkmalbehörde Leipzig (Herrn Dr. Krieg) und dem Sächsischen Landesamt für Denkmalspflege (Herrn Dr. Schwarz). Die originale Farbgebung schließt sich eng an die Vorstellungen des Bauhauses in den 20iger Jahren an. Sie verlangt von uns Mut zur Veränderung!

Bei der Befunderfassung sind an den tragenden Pfeilern zwischen den großen Fenster schmale rote Einrahmungen gefunden worden, die Pfeiler besitzen eine hellere grüne Farbe, was sich bis in den Bereich der Decke fortsetzt und nur im Altarbereich, etwa beginnend am Querschiff (Kanzelempore, Orgelempore) in das bereits vorhandene "Weiß" übergeht. Es sind verschiedene Nuancen einer grünlichen Farbgebung festgestellt worden. Das "Weiß" im Altarraum wird sich nach der Restaurierung der Decke im hinteren Schiff fortsetzen, um die besondere Funktion des Altarraumes in der lutherischen Tradition der liturgischen Einheit von Altar, Kanzel und Orgel zu betonen. Die Zwischenfelder an den Wänden des Schiffes, die weiterhin mit den vorhandenen originalen Akustikplatten verkleidet sein werden, erhalten nach sorgfältiger Überarbeitung ihrer Befestigung eine etwas abgetönte (weiß-graue) Farbgebung. Nach dem Abschluss der Arbeiten wird die Gemeinde ein ganz anderes Bild vom Kirchenschiff haben.


Bisherige Stationen der Sanierung und Restaurierung unserer Kirche nach 1990

Abschnitte Zeitraum Leistungen
1. Abschnitt 1993 - 1996 Warmluftheizung in Kirche, Gasheizung in den oberen Jugendräumen
2. Abschnitt 1995 - 1999 Kreuzfenster (1995 - 1997),unterer Ausstellungsraum, Vordächer und linker Treppenaufgang an der Südseite, Gedächtnishof, Behindertenauffahrt (1997 - 1999)
3. Abschnitt 1999 - 2003 Posaunenbalkon (1999 - 2000), oberer Bereich Kirchturm (2001 - 2002), mittlerer Bereich Turm (2002 - 2003)
4. Abschnitt 2004 - 2005 Komplette Restaurierung der Furtwängler & Hammer-Orgel (2004 bis Januar 2005), künstliche Beleuchtung über dem Altar, Bereich Altar und Orgelempore
5. Abschnitt 2005 - 2006 Komplette Erneuerung des Kirchendaches
6. Abschnitt 2005 - 2006 Restaurierung der großen Fenster an der West- und Ostfassade
7. Abschnitt 2006 - 2007 Restaurierung im Bereich der Südfassade (ab August 2006)
8. Abschnitt 2007 - 2008 Außensanierung im Bereich der Nordfassade der Kirche, Fenster Feier-kirche, Sakristei, weitere Restaurierung von Außentüren

Wie geht es in diesem Jahr weiter?

Wegen der angestrebten besseren Fördermöglichkeiten können die Arbeiten im günstigen Falle erst ab Anfang Oktober 2008 erfolgen. Ein vorzeitiger Baubeginn ist leider ausgeschlossen. Zu den Vorhaben gehört auch die Sanierung des elektrischen Netzes im Bereich des Kirchenschiffes, der Beleuchtung, der Schwerhörigenanlage usw. Der Kirchenvorstand hat sich zur veränderten Situation in einer Sondersitzung am 13. Juli 2008 in einmütiger Weise bekannt und ist sich der komplizierten Situation sehr bewusst. Darauf sind nun alle Detailplanungen ausgerichtet; die ursprünglich erarbeitete Zeitplanung ist stark zu verändern. Letztere war davon ausgegangen, dass alle beschriebenen Leistungen bis Mitte November planmäßig abgeschlossen sind, also vor dem Buß- und Bettag 2008. Das Baugerüst wird nun also auch zur Advents- und Weihnachtszeit stehen, und wir werden die Festgottesdienste und die weiteren Veranstaltungen "unter Baustellenbedingungen" durchführen. Damit gibt es bereits recht gute Erfahrungen mit den zahlreichen und sehr gut besuchten Baustellenkonzerten. Bitte helfen auch Sie weiterhin durch Ihre Ideen im Vorfeld von Veranstaltungen mit, manches noch zu ermöglichen, was bisher schwierig erscheint, oder zu verbessern, was noch verbessert werden kann.


Ein Wort auf den Weg

Wir dürfen diese Arbeiten ausführen, weil wir das Glück haben, auf den Schultern von Riesen stehen zu dürfen. Wir bewundern auch heute noch den Mut der Erbauer der Kirche in wirtschaftlich und politisch sehr schwierigen Zeiten vor ihrer Weihe im Jahre 1932. Auch unter den Bedingungen nach 1945 haben sich Riesen sehr eingesetzt, und sie haben vor allem das Ziel erreicht, das sehr wertvolle Bauwerk zu sichern und insgesamt gut zu erhalten. Wir sind dafür sehr dankbar. Wir sollten nun unsererseits den großen Mut haben, die jetzigen Chancen zu nutzen, bei den anstehenden Arbeiten nicht zu zagen und zu klagen, sondern dankbar zu sein, und große Freude empfinden, dies tun zu dürfen. Soli Deo Gloria!




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