Zugvögel



Von Pfarrer Dr. Sieghard Mühlmann

Auch Jesus konnte sich der Faszination der Vogelwelt nicht entziehen. Er gab den Rat: "Seht euch die Vögel des Himmels an." (Mat 6, 26 ff.)

Von den Vögeln können wir viel lernen. Erstaunliches berichten die Vogelkundler. Auch wir als Christen könnten den Zugvögeln so manches absehen. Auf die Idee brachte mich Willi Hoffsümmer in seinem Buch "Der Natur abgelauscht". Einige Beobachtungen möchte ich Ihnen mitteilen: Die Zugvögel können in der Regel nur gemeinsam überleben, nur gemeinsam gewaltige Entfernungen und Strapazen überwinden. Gemeinsam lässt sich das Ziel besser erreichen. Wird ein Vogel während des Zuges krank, verlassen zwei Vögel mit ihm den Verband, um mit ihrer Nähe zu helfen, zu schützen, Angst und Stress abzubauen. Sie bleiben so lange, bis der Patient wieder flugfähig ist oder stirbt. In typischer Keilformation fliegt einer schräg hinter dem anderen im schützenden Windschatten des Vordervogels, um Kräfte zu sparen. Ein ausgeruhter Vogel löst nach geraumer Zeit den "leitenden" Vogel ab. Man trägt im Verband wechselseitig die Last.

Wie halten wir es in der Gemeinde und Kirche bei unserem Flug durch die Zeit?

Die Zugvögel verstehen sich als Gemeinschaft, die nur im Verband überleben kann. Wir können von den Vögeln lernen, miteinander den Stress abzubauen, den Sparmaßnahmen, Strukturüberlegungen und Stellenabbau aufbauen. Mit der Zusammenarbeit im Schwesternkirchverhältnis mit der Christuskirchgemeinde Eutritzsch sind wir auf dem richtigen Weg.

Wenn sie fliegen, rufen die hinteren Vögel eines Verbandes und feuern die vorn Fliegenden an. Wir brauchen auch in unserer Gemeinschaft ermutigende Worte, Zeichen und Gesten an die, die ganz vorn den Widerstand der Luft spüren. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter, Schwestern und Brüder in verantwortlichen Positionen brauchen immer wieder die Zusicherung der anderen: wir alle sind Teil einer Gemeinschaft. Die Blättchenausträger, die das Gemeindeblatt in ihrer Freizeit verteilen, die vielleicht böse angeknurrt werden, wenn ihr Klingeln stört, sind auf ein freundliches und dankbares Wort angewiesen. Und die Mitarbeiter im Verkündigungsdienst wollen anfeuernde Begleitung, aber auch die Fürbitte nicht vermissen, die uns im großen Verband vereint.

Was mich persönlich fasziniert, ist die Treue der Zugvögel. Sie kommen wieder an die gleichen Orte zurück. Sie können sich für ihren Flug nicht immer andere Routen suchen. Sie bewegen sich gleichsam in Traditionen, die ihr Überleben sichern. Das macht mich nachdenklich. Ob uns die Zugvögel auch darin überlegen sind?

So vieles wäre zu lernen. Deshalb soll das Erntedankfest in diesem Jahr unter dem Arbeitsthema "Vogelzug - Zugvögel" ein Stück von diesem Wunder der Schöpfung Alt und Jung zugänglich machen.

Wir begrüßen herzlich alle in unseren Gemeindebereich "Zugeflogenen". Wir wünschen ihnen und uns, dass ihre Rast von langer Dauer ist, dass sie in unserer Versöhnungsgemeinde und in Gohlis Heimat finden und viel Schönes erleben.


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