"Wer am mich glaubt, von dessen Leib sollen Ströme lebendigen Wassers fließen"

(Johannesevangelium, Kap. 7, Vers 38)

Von Pfarrer Reinhard Leistner
Pingvellir (Island)
Pingvellir (Island) Foto: © Matthias Rudolph
Ein schönes Bild. Aber es ist selten geworden im Zeitalter kanalisierter Bäche und Flußläufe. Wer sie sehen will, muss die asphaltierte Strasse weit hinter sich lassen und auf Schusters Rappen in entlegene Winkel wandern. Dort hört man noch sprudelnde Quellen, Bäche rauschen, Wasser stürzen. Lebendiges Wasser strömt dem aufsteigenden Wanderer entgegen. Ein stetes Geräusch begleitet ihn: Hörbare Bewegung.

Lebendiges Wasser, trinkbar noch für Mensch und Tier, erquickend auf der Wanderschaft. Wasser, das Durst löscht und Abkühlung verschafft. Neues Leben kehrt in einen zurück und verhilft dazu, weiterzugehen.

Wasser - lebendiges und lebenschaffendes Element. Hungern kann einer lange - aber ohne Flüssigkeit versiegen die Lebenskräfte bald. Angesichts solcher Erfahrungen schätzen wasserarme Regionen das Nass noch mehr als wir, die wir mit dem wichtigen Lebensmittel oft so achtlos umgehen. Wir in Mitteleuropa leben in einer wasserreichen Region.
Skogar (Island)
Skogar (Island) Foto: © Matthias Rudolph
Es ist eine Gabe mit der wir gesegnet sind. Jede Gabe kann beizeiten zur Aufgabe werden. Unsere Zukunftsaufgabe ist es, dabei mitzuwirken, das Wasser gleichmäßig über den Globus zu verteilen und dadurch Millionen von Menschen zum Überleben zu verhelfen. Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt wittern eine Handvoll multinationale Konzerne das Geschäft mit dem "blauen Gold": Wer nicht zahlen kann, dem wird der Hahn zugedreht.

Eine Milliarde Menschen in den armen Regionen Afrikas, Asiens, Südamerikas und des Nahen Ostens bekommen bereits heute keine ausreichenden Mengen sauberen Trinkwassers. Wird man in Zukunft Kriege ums Wasser führen wie zu den Zeiten der alten biblischen Väter, in denen man Kriege um die Brunnen führte ?

Die Bedeutung und Wertschätzung des Wassers mag ein Grund dafür sein, weshalb die Bibel oft davon spricht: von der Schöpfungsgeschichte ganz am Anfang bis zu den letzten Seiten der Offenbarung. Herausragend bekannt ist vielleicht das Jordanwasser, mit dem Johannes Jesus taufte. Daneben spielen wichtige Geschichten an Brunnen und Wasserstellen, Psalmen besingen sie. "Er führet mich zum frischen Wasser", heißt es im Psalm 23 vom guten Hirten.

Selfoss (Island) Foto: © Matthias Rudolph
Jesus verwendet das sprudelnde, klare Wasser einmal als Vergleich für das, was der Glaube bewirken kann. Er sagt: "Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen". (Johannesevangelium, Kap.7, Vers 38).

Wer sich von Gott her Lebenskraft zuströmen lässt, dem geht es so, dass er mehr bekommt, als er fassen kann. Er wird, ähnlich dem ausgewaschenen Becken über dem kleinen Wasserfall, gleichsam überfließen und weitergeben was er empfangen hat. Das kann perlende Freude sein oder ein erfrischendes Lachen. Das kann die Begabung sein, Dinge zu "reinigen", zu klären oder eine sich verströmende Hingabe, mit deren Hilfe andere leben.

Zahlreiche Christen führen ihr Leben so und finden eben darin den Sinn. Sie können das, weil ihnen der Herr von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst gibt. So reichlich, dass sie wiederum Ströme davon weiterfließen lassen können für andere.

Dazu sind wir eingeladen: zum Entdecken des lebendigen Wassers, zum Nehmen und zum Weitergeben.


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