Sommer 2008Singet dem Herrn ein neues Lied, singet dem Herrn alle Welt. Ps 96,1Von Pfarrer Reinhard Leistner
"Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden." Den Israeliten war etwas Wunderbares widerfahren: Sie waren auf der Flucht aus der ägyptischen Gefangenschaft, verfolgt vom Heer des Pharao, und vor ihnen war der Weg vom Schilfmeer abgeschnitten. In dieser ausweglosen Lage geschah das Wunder. Das Wasser des Schilfmeeres wich zurück, und sie konnten tro ckenen Fußes ihren Weg in die Freiheit fortsetzen. Als die Streitmacht des Pharao ihnen nachsetzte, kehrten die Wasser zurück, und Ross und Reiter versanken im Meer. Als sie das sahen, stimmte Mose ein Loblied an und das ganze Volk stimmte ein. Die Rettung erfolgte kampflos und geschah nicht aus eigener Kraft. Eine andere Macht hatte eingegriffen, größer als die Gewalten der Natur. Gott selbst hatte sie aus größter Not und Gefahr errettet. Deshalb loben und preisen sie ihn. Immer wieder wurde dieser Rettung gedacht und singend von Generation zu Generation weitergegeben. Viele solcher Lieder finden wir in der Bibel, allein einhundertfünfzig stehen im Buch der Psalmen, und zahlreiche Erzählungen des Alten und Neuen Testamentes werden von Lobgesängen unterbrochen oder abgeschlossen. Am bekanntesten sind der Christushymnus im Philipperbrief oder "das Hohe Lied der Liebe" im 1. Brief des Apostel Paulus an die Christen in Korinth. Das Schilfmeerlied nimmt dabei aber eine besondere Stellung ein: es ist der erste und älteste uns überlieferte Psalm, ein Innehalten auf der Flucht, eine Atempause auf dem beschwerlichen Weg. Dazu will uns der Gottesdienst am Sonntag und die Lieder helfen, einmal alles aus den Händen zu legen, innezuhalten und einzustimmen in das große Gotteslob: "Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden." |