Sommerzeit ist Reisezeit. Früher war es eine Strapaze, in die Fremde reisen zu müssen. Heute macht es den Reiz der Urlaubsreise aus, eine fremde Umgebung kennen zu lernen und Neues zu sehen. Wer dabei in einer Stadt Halt macht, besucht auch gern die Kirche am Ort. Schön, wenn von Ferne schon ein Schild mit der Aufschrift "Offene Kirche" grüßt oder gar die Kirchentür weit geöffnet ist. Eine offene Tür ist wie eine ausgestreckte Hand, wie eine herzliche Einladung: "Du bist willkommen", "Du wirst erwartet". Türen machen Mauern durchlässig. Offene Türen verbinden draußen und drinnen, Außenwelt und Innenwelt. Sie eröffnen Zugang, Zutritt, gegebenenfalls auch Zuflucht. Sie ermöglichen Gemeinschaft mit Freunden und Fremden, mit Nahe- und Fernstehenden. Menschen können miteinander ins Gespräch kommen, sich erzählen von ihrem Woher und Wohin und sich beim Verabschieden einen Segenswunsch mit auf den Weg geben.
Das Bild von der offenen Tür erinnert auch an ein Wort von Jesus: "Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden." (Joh. 10,9) Jesus bezeichnet sich hier als offene Tür, als Durch- und Zugang zum Vater. Und das verbindet er mit "Seligwerden", mit der Möglichkeit und Freiheit, "ein- und auszugehen", zu kommen und zu gehen und das zu finden, was zum Leben notwendig ist.
Dieses Jesusbild tut gut. Es atmet Offenheit, Freiheit und Leben; nicht die Enge des "Nadelöhrs". Ich sehe eine Kirchentür vor mir. Sie ist aus Eichenbohlen gefügt und viergeteilt. Sie stammt aus alter Zeit. Unzählige Menschen werden im Laufe der Jahrhunderte hier hinein gegangen sein, mit ihren Sorgen und Nöten, mit ihren Freuden und Hoffnungen. Wind und Wetter haben die Tür gezeichnet und auch der Bemalung sichtbar zugesetzt. Ein Kruzifix mitten auf der Tür ist gerade noch zu erkennen. Jeder Mensch also, der diesen Kirchenraum betritt, geht sozusagen durch den Gekreuzigten hindurch in das Haus Gottes. In einen Raum der Stille und Geborgenheit, der dazu einlädt, zur Ruhe zu kommen und nachzusinnen, aufzuatmen und Kraft zu schöpfen. Jesus, die Tür, die offen steht zum Vater. Christus, der uns aufgeschlossen, der uns an - und aufgenommen hat bei Gott.
Heute, wo so viele Türen aus Angst oder Gleichgültigkeit verschlossen sind, haben offene Kirchentüren die wichtige Botschaft "Du bist willkommen!". Nachdem die Fenster eingebaut sind, wollen auch wir unsere Kirche am Freitag und Sonntag öffnen. Dafür suchen wir viele Helfer zur Aufsicht. Bitte melden Sie sich im Pfarramt oder bei den Mitarbeitern der Kirchgemeinde.
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Sommerzeit, mit einer guten Balance zwischen Aktion und Kontemplation.
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