Die Kinder und das Himmelreich

Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.   Matth 18,3

Von Pfarrer Reinhard Leistner


Es gibt viele gute Gründe, gerade in dieser Ausgabe des Gemeindebriefes etwas über "Kinder" zu schreiben. Drei fallen mir ganz spontan ein: Am 1. Juni ist Kindertag. Da gibt es für alle großen und kleinen Kinder wieder eine Überraschung. Auch die Politik hat sich verstärkt des Themas angenommen. Nach der Kampagne "Kinder sind Zukunft", wird nun heftig über die Finanzierung der Kindertagesstätten gestritten. Und schließlich feiern wir in der Versöhnungsgemeinde in diesem Jahr den 90. Geburtstag unseres Kindergartens Hildegardstift. Aber auch sonst haben Kinder ihren festen Platz im Gemeindebrief.- in jeder Ausgabe ist ihnen eine ganze Seite gewidmet - und im Gemeindeleben.

Zu den guten Gründen über das Kindsein nachzudenken, gehört vor allem aber die Wertschätzung, die Jesus Kindern entgegenbringt. Dazu ist folgende Geschichte überliefert: Jesus ist mit seinen Jüngern in Kapernaum. Sie bedrängen ihn mit der Frage, wer der Größte im Himmelreich ist. Zu ihrem großen Erstaunen zählt Jesus nun keine hervorragenden Eigenschaften und besonderen Leistungen auf, die jemanden in diesen Stand "Größter" zu sein, versetzen, die geeignet wären Ehrgeiz und Konkurrenz zwischen den Jüngern zu entfachen. Jesus verblüfft sie wie so oft mit einer Zeichenhandlung. Er ruft erst einmal ein Kind zu sich und stellt es in ihre Mitte. Welch ein Kontrast, welch ein Unterschied zwischen Körpergröße, Lebensjahren, Lebenserfahrungen und Wissen! "Aha, es ist bei ihm wieder einmal alles ganz anders, überraschend! Wir hätten es uns ja eigentlich denken können!" Jesu Worte bestätigen ihre Gedanken: "Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen."

Damit ist die Voraussetzung, um ins Himmelreich zu gelangen, genannt. Wie die Kinder sollen wir werden, kindlich, nicht kindisch. Das gibt es ja auch, die Verweigerung, erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Das ist leider eine beängstigende Haltung einiger junger Menschen. Aber ein hausgemachtes Problem unserer Zeit und Gesellschaft, die nicht bereit ist, ihnen beizeiten etwas zuzumuten, woran sie wachsen können.

Jesus verweist uns Erwachsene auf das Kindsein, auf eine gute Kindlichkeit. Wir können von Kindern lernen! Sie sind nicht festgelegt, sondern immer bereit, Neues kennen zu lernen. Sie haben viele Fragen und ihre Fragen sind offen und einfach. Zum Beispiel: Lieber Gott, wie machst du das eigentlich, dass Du nicht von da oben herunterfällst?" Im Spiel sind sie ganz bei der Sache und vergessen die Zeit. Sie haben einen anderen Zugang zur Wirklichkeit. Sie sind mit Wasser und Erde, mit Baum und Stein sinnlich verbunden. Sie lassen sich dankbar Schutz und Geborgenheit schenken.

Diese kindlichen Haltungen der Offenheit für Neues, Überraschendes, des Fragens, der Selbstvergessenheit, des sich Überlassens können wir lernen. Sie machen uns zu Kindern Gottes.






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