Herbst 2010

Gedanken zum Erntedankfest


Von Pfarrer Reinhard Leistner


Der Monat September hält einen wunderbaren, schlichten wie lebensnahen Bibelspruch für uns bereit:

"Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinen Mühen, das ist eine Gabe Gottes." (Koh 3,13)
Schale mit Äpfeln, Foto: Matthias Rudolph
Foto: © Matthias Rudolph

Das alttestamentlich Buch Kohelet oder nach der Übersetzung Martin Luthers auch "Der Prediger Salomo" gehört zur biblischen Weisheitsliteratur und handelt vom praktischen Wissen um die Bewältigung des Lebens in Gemeinschaft. Dass menschliches Leben gelingt, ist für den Prediger Salomo eine Gabe Gottes. Er ermuntert uns dazu, Gott nicht nur an den Grenzen unseres Lebens zu suchen, wo wir unsere Abhängigkeit und Hilflosigkeit besonders deutlich erfahren. Er ist der Überzeugung, dass Gott sich mitten im prallen Leben, in Liebe und Gelingen, wie in den ganz kleinen alltäglichen Freuden finden lässt.

Die Freude ist es, die den Menschen bei all seiner Mühe begleitet. Der Prediger Salomo legt alles Gewicht auf das gegenwärtige Leben. Wenn er dazu aufruft das Leben zu genießen, will er nicht oberflächlicher Genusssucht das Wort reden. Sein Aufruf zur Lebensfreude ist in seinem Schöpfungsglauben verwurzelt. Wer an die Welt als Gottes Schöpfung glaubt, wird ihre Herrlichkeiten als Geschenk Gottes genießen. Essen und Trinken spielen dabei seit jeher eine besondere Bedeutung als Ausdruck der Lebensqualität und Lebensfreude. Der Volksmund weiß: "Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen". Manchmal müssen wir auch so einfache Wahrheiten wieder lernen. Gesunde Ernährung wird heute wieder groß geschrieben, Produkten aus der Region besondere Aufmerksamkeit geschenkt und auch der soziale Mehrwert der Tischgemeinschaft in Familie und Freundeskreis wieder neu entdeckt.

Essen und Trinken schmecken besonders gut, wenn der Blick in die Zukunft von Zuversicht, von einem guten Mut getragen ist. Zuversichtliche Menschen strahlen eine wohltuende Gelassenheit aus. Sie lassen sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Sie verschließen nicht gleichgültig die Augen vor den Sorgen und Nöten ihrer Zeit, verfallen aber weder in einen blinden Aktionismus, noch lassen sie sich von pessimistischen Prognosen erschüttern. Ihre Zuversicht ist begründet in einem bestimmten Wissen oder in gemachten Erfahrungen, vor allem aber in einem tiefen Gottvertrauen. Für den Beter von Psalm 71 ist Gott selbst die Zuversicht, der verlässliche Lebensgrund.






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