Herbst 2008Luther 2017 - 500 Jahre ReformationVon Pfarrer Reinhard Leistner am 21. September wurde mit einem Festgottesdienst in der Wittenberger Schlosskirche die Lutherdekade der Evangelischen Kirche in Deutschland eröffnet. Sie steht unter dem Motto "Luther 2017 - 500 Jahre Reformation". Zwei Ereignisse mit historischer Tragweite werden damit verknüpft: (1.) Im Herbst 1508 kam Martin Luther erstmals nach Wittenberg. An der neugegründeten Wittenberger Universität lehrte der Augustinermönch in der Folgezeit als Dozent Philosophie. Und (2.) - das bestimmt bekanntere Datum: Nach 10 Jahren soll er am 31. Oktober 1517 in Wittenberg an der Schlosskirche die 95 Thesen angeschlagen haben. Dieses Ereignis brachte die damalige Kirche in Aufruhr und markierte den Beginn der Reformation. Weltweit sehen rund 400 Millionen Protestanten in dem Wittenberger Thesenanschlag und seinen historischen Folgen ihre geistlichen und konfessionellen Wurzeln. Die Dekade lädt ein, die elementaren Themen der Reformation Luthers mit den Fragen der heutigen Zeit zu verknüpfen. Die Veranstalter sprechen von einer "theologischen Wiederentdekkung der Impulse der Reformation". Dies scheint von Zeit zu Zeit immer wieder einmal notwendig zu sein, z.B. um die Frage beantworten zu können, was eigentlich das "lutherisch" in der Bezeichnung unserer sächsischen Landeskirche und unserer Kirchgemeinde bedeutet. Sicher, am Anfang war Martin Luther. Und alle Formen des Luthertums weisen zurück auf den Protest des Wittenberger Theologieprofessors gegen die heilsvermittelnde Praxis einer institutionell verhärteten Amtskirche. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass der Wittenberger Reformator weder eine neue Kirche gründen noch die zentrale Institution der überkommenen Kirche, das Papsttum des Bischofs von Rom, prinzipiell in Frage stellen wollte. Luther ging es zunächst um eine geistliche Erneuerung der Gesamtkirche durch die Wiederentdeckung der biblischen Kernbotschaft: die Rechtfertigung des Sünders allein durch Gottes Gnade und nicht auf Grund moralischer Anstrengungen oder religiöser Leistungen. Erst im Laufe der geschichtlichen Entwicklung bildete sich neben der römisch- katholischen und der orthodoxen Kirche ein religiös, theologisch und ethisch eigenständiges Christentum heraus. Für dieses "dritte" Christentum sind einige theologische Elemente grundlegend: die exklusive Bindung an die Schrift (sola scriptura); dann das sola fide, "allein aus Glauben"; und schließlich das sola gratia, die Rechtfertigung des Sünders allein aus der Gnade Gottes. Die Lutherdekade lädt mit einer Vielzahl von Veranstaltungen, Gottesdiensten, Vorträgen, Seminaren, Ausstellungen und Konzerten vorzugsweise in den mitteldeutschen Lutherstädten Wittenberg, Eisleben, Erfurt und Eisenach zu einer einzigartigen Entdeckungsreise ein. |