Herbst 2011

Gedanken zur Freiheit


Von Pfarrerin Dorothea Arndt


Der Herbst steht vor der Tür. Vielleicht wird auch dieser Herbst uns noch einmal mit strahlend blauen, sonnigen Tagen und leuchtenden Farben über den Abschied vom Sommer hinwegtrösten.

Es macht Spaß, im Herbstwind Drachen steigen zu lassen. Hoch hinauf über unseren Köpfen, leicht und frei fliegt er da im Wind, ins Blaue hinein. Er hat Abstand von allem, was uns manchmal Mühe und die Beine schwer macht.

Die Sorgen des Alltags, die uns unten halten, die Abhängigkeiten, in denen wir stecken, die Verpflichtungen, aus denen wir nicht herauskommen - das alles hinter uns lassen zu können, wünschen wir uns manchmal. Ein Traum von unbeschwerter Freiheit! Der Drachen kann dafür ein Bild sein.

Ja, zu solcher Freiheit lädt uns unser Glaube tatsächlich ein: Gott schenkt Freiheit und führt Menschen in die Freiheit. Davon weiß unsere Bibel in vielfältiger Weise zu erzählen.

Immer wieder lädt Gott ein, Abhängigkeiten zu lösen, Fesseln und drückende Lasten abzulegen, frei zu werden von den Sorgen um unser Leben und unser Auskommen.

Was uns fesselt und bindet, können wir hinter uns lassen - frei sein wie ein Drachen im Herbstwind.

Aber halt! Einen Halt braucht auch ein Drachen. Er ist nicht "un-abhängig". Ein Faden hält ihn.

Dieser eine Faden ist wichtig, denn nur so kann der Drachen fliegen. Wenn dieser Faden reißt oder zerschnitten wird, stürzt der Drachen unweigerlich ab.

Der Drachen kann ein Bild für das Leben sein: Auch wir Menschen brauchen in aller Sehnsucht nach Freiheit einen Halt. Wir sind abhängig von dem, der unser Leben hält. Wir werden gehalten, oft ohne es zu bemerken. Diese Verbindung dürfen wir nicht kappen. Wer diesen Halt verliert, verliert auch die Freiheit.

Manche Leute behaupten von sich, sie seien wirklich frei: "nicht religiös gebunden" und zu rational, um zu glauben. Aber sie gehen morgens nicht aus dem Haus, ohne ihr Horoskop zu lesen, scheuen schwarze Katzen oder haben am Freitag, dem 13. Angst vor einem Unglück.

Wer seinen Halt nicht an Gott festmacht, macht ihn an anderen Dingen fest, aber die machen manchmal eher unfrei und halten oft nicht, was sie versprechen.

Gesundheit, Erfolg, Anerkennung, Schönheit, Besitz - das sind alles wunderbare Dinge, für die wir sehr dankbar sein können, wenn wir sie haben. Doch als Halt im Leben sind sie nicht geeignet, weil wir uns letztlich nicht darauf verlassen können

Wir Menschen brauchen einen Halt, der nicht nur an uns hängt und auch nicht an der Meinung, die andere über uns haben.

Auf die "Drachenschnur", die unserem Leben Halt gibt, weil unser Schöpfer sie in der Hand hat, können wir Menschen eben nicht verzichten.

Und wir haben es auch nicht nötig: "Christus hat uns befreit, er will, dass wir auch frei bleiben." (Galater 5,1)






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