Kanzelabkündigung für Sonntag, den 18 August 2002 in allen Gemeinden der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens



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Kanzelabkündigung

für Sonntag, den 18 August 2002 (12. Stg. nach Trinitatis)
in allen Gemeinden der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens


Liebe Schwestern und Brüder,


die unheimliche Flut die sich in diesen Tagen über weite Teile Sachsens ergossen hat, beschäftigt unsere Gedanken und unsere Herzen. Ein Ende der Auswirkungen der Flut und das Ausmaß des entstandenen Schadens sind noch nicht übersehbar. Leider sind auch Menschenopfer zu beklagen. Die Ängste, die unmittelbar von der Flut Betroffene durchgemacht haben, können wir nur erahnen. Bedrückende Ungewissheit vor der Frage, wie es nun weitergehen kann, treibt viele Menschen um. Ich denke dabei auch an unsere Bauern. Der Vorschlag, die Gottesdienstkollekte dieses Sonntages für die Opfer der Katastrophe zu sammeln, ist sicher nur ein erster, spontaner Versuch, unserem Mitgefühl mit den Betroffenen Ausdruck zu verleihen. Wir haben Nachrichten, dass auch andere Landeskirchen zu Kollekten aufgerufen haben. Lasst uns offen sein für alle Möglichkeiten, zu helfen.

Was aber sagen wir von unserem Glauben her zu dem allen? In Psalm 29, 10 steht der Satz:

"Der Herr hat seinen Thron über der Flut,
der Herr bleibt ein König in Ewigkeit"
.

Hinter einem solchen Satz steht die uralte Erfahrung von der bedrohenden Gewalt des Wassers. In der Offenbarung des Johannes heißt es darum im Blick auf den erwarteten neuen Himmel und die erwartete neue Erde, dass da das Meer, also die bedrohende Gewalt des Wassers, nicht mehr sein wird. Bis dahin gilt der Glaube, dass Gott seinen Thron über der Flut hat. Wir meinen, heute klügere Weltbilder zu haben. Und doch: Das, was uns betroffen hat, bringt uns in die Nähe solch alter, großer Schriftworte. Es ist aber auch voller Fragen, nicht nur an von Menschen verschuldete Ursachen. Die Betroffenen werden auch nach Gott fragen, der nach unserem Glauben über den Fluten ist. Wir wollen uns hüten vor schnellen Antworten. Aber wir wollen uns mit aller Hoffnung für die Zukunft gründen im zweiten Teil dieses Psalmwortes, das bekennt:

"Der Herr bleibt ein König in Ewigkeit".


In der Verbundenheit unseres Glaubens bin ich mit vielen Grüßen, auch im Namen der Schwestern und Brüder des Landeskirchenamtes,

Euer

Volker Kreß
Landesbischof


Dresden, am 14. August 2002